Was ich schon immer mal sagen wollte!

oder "My daily rant :)"

Wären die entsprechenden Klassen nicht auf der Nordschleife verboten worden…

wäre der Bellof-"Rekord" schon seit langen Jahren unterboten worden.

Mein Gott, was war das diese Woche wieder für eine Aufregung in unserer schönen Nürburgring-Welt. Da taucht doch plötzlich ein Porsche 919 mit Timo Bernhard am Steuer auf der Nordschleife auf und langsam sickert über den Eifler Buschfunk durch, dass der nicht zum Spaß da herumrollt, sondern um eine ganz große Hausnummer zu knacken: die 6:11,13 von Stefan Bellof.

Nachdem Porsche mit diesem Fahrzeug vor Kurzem schon die Ardennen hat beben lassen, kommen sie jetzt in die Eifel – und schon ging die Aufregung ist. Da kamen schon die ersten Rufe: Wie kann man nur?

Mal kurz zum Hintergrund: 1982 wurden die letzten Runden auf dem "alten" Nürburgring, bestehend aus Nord-, Süd- sowie Start- und Zielschleife, gefahren. Nachdem schon 1981 mit dem Bau des südlichen Teils der Grand-Prix-Strecke angefangen wurde, wurden Ende 1982 auch die Anlagen an Start und Ziel abgerissen, um dort Platz für den modernen Kurs zu machen. 1983 konnte Motorsport am Nürburgring nur auf der Nordschleife stattfinden, während dort die neu installierte Boxenanlage an T13 genutzt wurde – es war der bisher "kleinste" Nürburgring, der gefahren wurde.

Und genau in diesem kleinen Zeitfenster von einem Jahr fuhr Stefan Bellof beim 1000km-Rennen am 28. Mai 1983 die Traumzeit von 6:11,13 auf einem Porsche 956 – allerdings im Training und nicht im Rennen, sodass diese Zeit kein offizieller Rundenrekord ist, wenn auch die schnellste bisher gefahrene Runde auf der Nordschleife. Im Rennen fuhr er etwas über 6:25. Bekanntermaßen sah er wegen seines Abflugs nach Pflanzgarten II die Zielflagge allerdings nicht. Die 6:11,13 haben sich trotzdem als bis dahin unvorstellbare Bestmarke ins kollektive Ringgedächtnis eingebrannt, quasi als heilige Zahl des Nürburgrings. 1984 wurde dann die Grand-Prix-Strecke eröffnet und die großen Rennen, bei denen solche Zeiten möglich gewesen wären, finden seitdem auf der nun längeren Kombination Grand-Prix-Strecke plus Nordschleife statt.

Zurück zur Gegenwart: Dass Porsche 35 Jahre später, zum 70. Geburtstag von Porsche Motorsport, diese schnellste Runde überbieten will, hat für vielfältige Reaktionen im Netz gesorgt. Da haben einige mal schnell den Rechenschieber herausgeholt und Zahlen in die Eifel gerufen, welche dann schon als neuer Rekord kommuniziert wurden, andere haben sich in erbosten Kommentaren darüber ausgelassen, dass es Porsche einfach nicht zustünde, die schnellste Runde in Angriff zu nehmen. Der Rekordversuch würde ja nicht im Rahmen eines Rennens stattfinden. Der 919 wäre ja kein Auto, welches irgendeinem Reglement entsprechen würde. Und überhaupt, Stefan Bellof sitze ja nicht am Steuer und es wäre eine Majestätsbeleidigung, diese Top-Zeit knacken zu wollen.

Kurz zur Relativierung: Bellof fuhr diese schnellste je gefahrene Runde auch nicht im Rennen, sondern im Training. Und dass der 919 keinem direkten Reglement unterstellt ist, ist auch bekannt – ja und? Seien wir doch froh: Nach dem Ausstieg von Porsche aus der WEC hätten die ganzen Hybridmonster ja auch in irgendwelchen Museen oder verschlossenen Hallen verschwinden können. Nee, hat Porsche aber nicht gemacht, zur Freude aller: Einfach mal kucken, was ohne Reglementbeschränkungen aus dem Gerät so rauszuholen ist und dann ab auf die Strecke damit. Bereitet denen und uns am Ende doch einfach ne riesen Gaudi, und dafür sollten wir Porsche eigentlich auch einfach nur mal danke sagen. Find ich klasse, dass der 919 auf der Nordschleife bewegt wird. Gerade nachdem er beim 24h-Rennen 2018 einen Parallelflug mit dem 956 über die Nordschleife absolviert hatte, zur Freude der anwesenden Zuschauer.

Es wäre ja, weil es kein Rennen ist, kein richtiger Rekord, hört man da. Nunja, soll ja auch nur zeigen, was möglich ist, und das ist ja auch legitim.

Und dann liest und hört man immer wieder: Wie sich Porsche nur anmaßen könne, diese heilige Zahl von 6:11,13 zu unterbieten! Klar, Bellof ist eine Legende – da kommt Anfang der 1980er so ein junger Furchtloser um die Ecke und fährt den gestandenen Herren mit seinem unfassbaren Talent einfach mal so übers Dach. Großartig. Und die schnellste Runde dieses Mannes soll unterboten werden? Klar! Das ist ja gerade der Sinn von solchen Rekorden. Bellof hatte damals die Möglichkeit, er hatte das Fahrzeug, vor allem hatte er das Talent – und da hat er sich einfach ins Auto gesetzt und ne mordsmäßige Runde in den Asphalt gebrannt. Da setzt einer eine neue Bestmarke und alles, was er wohl damit sagen will, ist: So Freunde, dann schaut mal, wie ihr das unterbietet! Dafür sind Rekorde nämlich da, um unterboten zu werden. Ich glaube, dass Bellof wohl der erste gewesen wäre, der sich gemeldet hätte, um seine eigene Bestmarke mit dem 919 zu unterbieten, das nur mal so am Rande.

Auch wenn ich verstehen kann, dass Bellofs Zeit eine fast schon mythische Zahl ist, heißt das aber noch lange nicht, dass diese Zeit unantastbar wäre. Es kommt keinem Sakrileg gleich, wenn man sie unterbieten will, dazu auch noch außerhalb einer Rennveranstaltung, was das Ganze sowieso wieder relativiert. Aber genau dafür ist die Gesamtkombination doch da: Dafür ist die Strecke da, sind die Fahrzeuge da, sind die Fahrer da. Um als Schnellste die Burg zu umrunden. Warum würden wir ihnen das verwehren wollen? Nur permanenter Wettbewerb führt zu Bestmarken und die Tatsache, dass Bellofs Zeit bisher seit unglaublichen 35 Jahren Bestand hat, zeigt doch, dass Bellof zum einen eine Legende war und ist, zum anderen aber auch, dass es auch mal Zeit wird, diese Bestmarke zu brechen und neue Legenden zu schaffen. Es geht ja nicht darum, diese 6:11,13 wie Asche zu bewahren, sondern es geht darum, das Feuer am Lodern zu halten – und das geht nur mit dem Versuch, die Bestmarke zu knacken. Genau so, wie die Bellof-Zeit damals einem Erdrutsch gleichkam, wird auch die neue Rundenzeit mal so richtig einschlagen und die Nürburgring-Welt faszinieren.

Ich kann nur sagen: Ich bin tierisch gespannt, welche Zeit der 919 letztendlich erreichen wird. Sei es nun irgendwo unter sechs Minuten oder sogar nahe der fünf-Minuten-Marke, egal, es wird auf jeden Fall ein Fest. Vor allem freue ich mich auf die entsprechende Onboard, so es denn eine geben wird, denn die wird uns Nordschleifen-Onboardfreunde bestimmt erstmal total überfordern. Und dazu ist der ganze Spaß doch da: Wir warten bis Ende Juni, hören die Rundenzeit vom Ring, freuen uns, spüren, wie die Faszination Nürburgring auch in unserer Zeit weitergeschrieben wird und das macht das Leben für uns alle ein kleines bissjen schöner. Und das ist doch der Plan.

Wer ebenfalls total gespannt ist und bis dahin nicht warten kann: Am nächsten Wochenende sind die Nürburgring Classics in der Eifel, mit vielen tollen alten Rennwagen und ihren Fahrern. Und am Wochenende drauf ist wieder VLN. Und danach der Truck-GP. Also viel toller Motorsport. Und dann dürften wir auch schon bald wissen, was die Jungs von Porsche so hinbekommen haben. Ich wünsche denen und Timo Bernhard auf jeden Fall mal richtig viel Erfolg mit ihren Plänen.

 

 

 

 

 

 

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